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Schüler! Macht Schule!

Schüler! – Macht Schule!

Projekt zur partizipativen Schulentwicklung

1 | Projektbeschreibung

Ziel des Pilotprojekts: Entwicklung wirkungsvoller und nachhaltiger Angebote für eine partizipative Schulentwicklung. Diese Angebote werden nach Abschluss des Pilotprojektes für die Anwendung in weiteren Schulen nutzbar gemacht.

Ziel für einzelne Schulen: Stärkung einer demokratischen Schulkultur, in der SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern motiviert sind, sich aktiv an der Gestaltung der Schule und des Schullebens zu beteiligen. Eine demokratische Schulkultur fördert wiederum die Entwicklung von demokratischen Handlungskompetenzen bei allen Beteiligten.

Methode: Partizipative Schulentwicklung i. S. Aktivierung von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern zur Beteiligen an der Entwicklung ihrer Schule. SchülerInnen gilt besondere Aufmerksamkeit, da sie die Zielgruppe schulisch organisierter Lernprozesse sind. Für die Aufrechterhaltung und Unterstützung der Motivation für Lernen und Mitwirkung ist es von Bedeutung, die Perspektiven, Interessen und Bedürfnisse von SchülerInnen zu berücksichtigen.

2 | Ansatz

Die Institution Schule leistet dann einen Beitrag zur Entwicklung demokratischer Handlungskompetenzen bei Kindern und Jugendlichen, wenn in ihr Demokratie  erlebbar wird. Demokratie in der Schule leben heißt, dass sich alle an Schule Beteiligten (SchülerInnen, LehrerInnen, Schulleitungen, Eltern)  in einer demokratischen Schulkultur auf sozialer und institutioneller Ebene bei der Gestaltung der Schule und des Schullebens beteiligen können, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen in einem gleichberechtigten Diskurs getroffen werden und Konflikte gewaltfrei gelöst werden. Dieser Ansatz versteht Demokratie als interaktive Praxis (Lebensform) und als wesentlichen Bestandteil politischer Bildung – über die Behandlung von Demokratie als Thema im Unterricht hinaus.

Merkmale einer demokratischen Schulkultur:

  • Strukturen und Prozesse, die eine gleichberechtigte Partizipation und Diskurse von SchülerInnen, Lehrern und Eltern ermöglichen
  • Aushandlung von Interessengegensätzen, öffentlichen Diskursen, Machtvergabe auf Zeit, ein gleichberechtigte und partnerschaftliches Miteinander, Machtkontrolle sowie Mehrheitsprinzip und Minderheitenschutz
  • Mitbestimmung, aktive Beteiligung und Verantwortungsübernahme von SchülerInnen, LehrenInnen und Eltern bei der Gestaltung der Schule als Lebensraum
  • aktive und effektive Arbeit der Schülergremien und von Streitschlichtern
  • Gewaltfreie Konfliktlösung (z. B. Aushandlung und Sanktionierung von Regeln, Streitschlichter)

Schulentwicklung ist dann wirkungsvoll und nachhaltig, wenn sie partizipativ gestaltet wird, d. h. die Perspektiven von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern gleichberechtigt im Schulalltag einbezogen werden.

Kinder und Jugendliche entwickeln demokratische Handlungskompetenzen, wenn sie Zusammenarbeit in Gruppen, aktive Kommunikation, Partizipation, Selbstwirksamkeit und Integration erleben und lernen können.

Das Leben und Erleben demokratischer Strukturen und Prozesse im eigenen Lebenszusammenhang (Schule) versetzt die in der Schule Beteiligten in die Lage, selbstwirksam und verantwortlich zu handeln. Durch selbstverantwortetes Handeln, Kooperation, gemeinsame Planungsprozesse und die eigenverantwortliche Aushandlung und Abstimmungen von Entscheidungen im Schulalltag werden die Persönlichkeit, demokratische Handlungskompetenzen und Fähigkeiten sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen gestärkt. Durch die Stärkung und Förderung von Persönlichkeit und Handlungskompetenzen wird anti-demokratischen und menschenfeindlichen (rechtsextremen) Einstellungen vorgebeugt.

Eine demokratische Schulkultur, in der die Interessen und Bedürfnisse aller Beteiligten be- und geachtet werden, motiviert für aktives Lernen und aktive Beteiligung.

3 | Durchführung

Im Pilotprojekt „Schüler! – Macht Schule!“ soll Schulen die Möglichkeit gegeben werden, einen Veränderungsprozess zuzulassen, der im Wesentlichen von den SchülerInnen angestoßen und ausgeführt sowie von LehrerInnen und Eltern unterstützt wird. Mit Methoden der Konsensfindung, durch Mitwirkung und Zusammenarbeit von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern wird die kooperative Verantwortung und Aktivität im Schulentwicklungsprozess gefördert. Dabei spielt eine besondere Rolle, die SchülerInnen und Eltern für eine stärkere Teilhabe am Schulleben zu gewinnen. Durch die gleichberechtigte Teilhabe am Schulentwicklungsprozess wird der Anspruch demokratischer Partizipation erfüllt.

Arbeitsschritte und Phasen

  • Bestandsaufnahme – Ausgangssituation: Befragung und Gruppendiskussion mit SchülerInnen, Lehrerinnen, Schulleitung und Eltern – Rückmeldung
  • Aus Wünschen und Bedürfnissen Maßnahmen ableiten
  • Steuergruppe wählen
  • Umsetzung der Konzeptbausteine und Maßnahmen
  • Netzwerktreffen
  • Weiterarbeit an der Umsetzung der Konzeptbausteine und Maßnahmen
  • Bestandsaufnahme – entwickelte Situation
  • Rückmeldung der entwickelten Situation & Abschlussveranstaltung

Für den Schulentwicklungprozess werden SchülerInnen, SchulleiterInnen und LehrerInnen Hilfen in Form von Prozessmoderatoren zur Verfügung gestellt, die zum einen diesen Prozess begleiten und aktive Unterstützung leisten sowie zum anderen vorhandene Netzwerke mit Expertise und moderne pädagogische Ansätze einbinden. Hierbei wird besonders auf Erfahrungen und Netzwerke aus dem BLK-Modellversuchsprogramm „Demokratie lernen und leben“ zurückgegriffen (in Sachsen: „Schule und Unterricht demokratisch gestalten“), das von 2002 bis 2007 wesentliche Impulse für die Entwicklung demokratischer Schulkulturen gab. Auch nach Beendigung des BLK-Programms stehen ausgebildete FortbildnerInnen für Demokratiepädagogik für Lehrerfortbildungen zu Verfügung. Weitere Ressourcen sind z. B.

  • „Mitwirkungsmoderatoren“ (aus dem DKJS-Projekt „Mitwirkung mit Wirkung“),
  • Peer Trainer (Peer Training Sachsen e. V.),
  • Referenten der außerschulischen Bildung (z. B. Arbeit und Leben Sachsen e.V., Netzwerk für Demokratie und Courage) sowie
  • Akteure im Bereich der Demokratieförderung und Schulentwicklung.

In den am Pilotprojekt beteiligten Schulen werden Steuergruppen etabliert, die für ihre Schule die Verantwortung für die Entwicklung von Strukturen und Funktionen einer partizipativen und demokratischen Schulkultur tragen. Damit eine demokratische Schulkultur auch Bestand hat, wenn die SchülerInnen die Schule verlassen, tragen nach Beendigung des Pilotprojektes die Steuergruppen weiterhin Verantwortung für den Erhalt und die Weiterentwicklung der im Pilotprojekt entwickelten Strukturen und Funktionen. Im Pilotprojekt treffen die Steuergruppen der Einzelschulen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und nachhaltige Strukturen für Zusammenarbeit in der Schulentwicklung aufzubauen.

4 | Orientierungen

Edelstein, Wolfgang & Fauser, Peter: Demokratie lernen und leben. Gutachten für ein Modellversuchsprogramm der BLK, Bonn 2001

Sächsisches Schulgesetz – §§ 45-57 SchulG zu Mitwirkung von Eltern und SchülerInnen

Verordnungen des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus über die Mitwirkung der Schüler (Schülermitwirkungsverordnung – SMVO)

Verordnungen des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus über die Mitwirkung der Eltern (Elternmitwirkungsverordnung – EMVO)

Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Demokratie gemeinsam lernen – Kommunikationsmanagement Schule gegen Extremismus (www.slpb.de/sge/)

Weimar, Hannelore & Jordan, Ruth: Eltern-Lehrer-Schüler-Aushandlungsrunde. Demokratische Aushandlungsprozesse und gemeinsame Verantwortungsübernahme“ der Werner-Stephan-Oberschule, Berlin 2006